Traurige Bilanz des Sommers: Badetote auch an der Ruhr

Foto: Ninian Reid
Foto: Ninian Reid
Foto: Ninian Reid

Der Sommer 2013 war heiß – die 30 Grad-Marke wurde häufig geknackt. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel zog es die Menschen in die Freibäder, an die Badeseen und Flüsse, um sich Abkühlung zu verschaffen. Leider kam es dabei zu zahlreichen Badeunfällen, die teilweise sogar tödlich endeten.

In ganz Deutschland kamen in diesem Sommer 250 Menschen in Folge von Badeunfällen in unbewachten Gewässern ums Leben, 40 davon allein in Nordrhein-Westfalen. In vielen Fällen bleiben die genauen Umstände ungeklärt, da die Badenden allem Anschein nach allein unterwegs waren: So entdeckte die Polizei in Paderborn zwei Tote in Seen, in Duisburg fand die Feuerwehr die Leiche eines Mannes, der zu diesem Zeitpunkt schon seit drei Wochen vermisst wurde.

Doch auch im Beisein von Freunden oder Familie ereigneten sich einige Unfälle: Ein Dreizehnjähriger ertrank in einem Düsseldorfer See, nachdem er von einem Tretboot in einen See gesprungen war. In Troisdorf verließen einen Zweiundzwanzigjährigen die Kräfte, als er mit Freunden zu einer Insel inmitten eines Sees schwimmen wollte. Jede Hilfe kam leider zu spät, Taucher fanden den leblosen Körper des jungen Mannes kurze Zeit später.

Auch an der Ruhr blieben tödlichen Unfällen beim Baden im Fluss nicht aus: So ertrank im Juli ein 53-jähriger in Essen-Steele als er sich in der Ruhr abkühlen wollte. Vermutet wird, dass der Mann überhitzt ins Wasser sprang und beim Schwimmen in Folge eines Herzschlags das Bewusstsein verlor. In Bochum kam es zu einem weiteren tragischen Unglück, als ein 35-jähriger Bochumer beim Schwimmen in der Ruhr plötzlich unterging. Taucher konnten den jungen Mann am Abend desselben Tages nur noch leblos aus dem Wasser bergen. Die genauen Umstände des Unfalls sind noch nicht geklärt.

Doch wie kommt es zu diesen Unfällen?
Experten wie die DLRG warnen immer wieder vor den Gefahren, die das Baden in Naturgewässern mit sich bringt. Anders als im Schwimmbad, können Strömungen den Schwimmer an den Rand seiner Kräfte bringen, unter Wasser ziehen oder in die Schifffahrtsrinne treiben. Brücken, Wehre und Schiffe sorgen auch in ruhig wirkenden Flüssen wie der Ruhr für eine uneinsichtige Strömung. Besonders in stehenden Gewässern gibt es erhebliche Temperaturschwankungen: Während an der Oberfläche eine angenehme Temperatur herrscht, können die tieferen Schichten erstaunlich kühl sein. Eine plötzliche Abkühlung des überhitzten Körpers kann Krämpfe sowie Herz- und Kreislaufversagen verursachen. Baggerseen erweisen sich oft als gefährlich, weil sie am Ufer ziemlich flach beginnen und nach einer Abbruchkante plötzlich sehr schnell an Tiefe gewinnen.

Neben diesen äußeren Faktoren können auch Selbstüberschätzung oder mangelndes Schwimmvermögen zu Unfällen führen. Gerade bei jüngeren Menschen bilden außerdem Leichtsinn und Alkohol eine gefährliche Mischung. Bei Kindern steht jedoch ein anderes Problem im Vordergrund: Eine Umfrage des DLRG hat ergeben, dass jeder zweite Zehnjährige in Deutschland nicht schwimmen kann. Eine dramatische Entwicklung, denn Ende der achtziger Jahre war es gerade jedes zwanzigste Kind.

Was kann man tun, um Unfälle zu vermeiden?
Den Badenden in Naturgewässern muss bewusst sein, dass es sich bei einem Fluss oder See nicht um ein bewachtes Freibad handelt. Die Wasserqualität ist in natürlichen Gewässern nicht konstant. Besonders nach starken Regenfällen treten erhebliche Schwankungen auf, deshalb sollte man das Trinken des Wassers vermeiden.

Schwimmer sollten über die möglichen Gefahren beim Baden Bescheid wissen und aufgeklärt werden. Schifffahrtswege, Brücken und Wehre eignen sich nicht als Schwimmzonen weil sich hier häufig Kehrwasser unterhalb der Oberfläche bilden. Statt bei heißem Wetter direkt ins kalte Wasser zu springen, sollte man sich zunächst schrittweise abkühlen. Besonders bei hohen Temperaturen können auch Flüssigkeitsmangel und direkte Sonneneinwirkung gefährlich sein. Für Nichtschwimmer gilt: Höchstens bis zur Brust ins Wasser gehen. Ungeübte Schwimmer sollten in Ufernähe, Kinder nicht unbeaufsichtigt bleiben. Es ist wichtig, die eigene Kraft und das Können nicht zu überschätzen und Sprünge in unbekannte Gewässer zu vermeiden. Diese und weitere Hinweise können dazu beitragen, das Unfallrisiko zu minimieren.

Offiziell ist das Baden in der Ruhr verboten, wenngleich viele Menschen ungeachtet des Verbots im Sommer eine kühle Erfrischung im Fluss suchen. Macht das Badeverbot angesichts der Gefahren auch weiterhin Sinn oder sollte es auch trotz der dramatischen Unfälle in Zukunft gelockert werden?

Feuer und Flamme für die Ruhr!

Foto: Nico Kaiser
Foto: Nico Kaiser
Foto: Nico Kaiser

„Rhein in Flammen“, „Ems in Flammen“, „Erft in Flammen“… Einmal jährlich erstrahlen die meisten Flüsse NRWs im Lichtschein eines Feuerwerks, meist untermalt von stimmungsvoller Musik. Oft umrahmt ein Volksfest das Feuerwerk und macht es dadurch zum Event. Dem aufmerksamen Beobachter wird nicht entgangen sein, dass die Ruhr in den letzten drei Jahren jedoch nicht kunstvoll in Szene gesetzt wurde. Auch in diesem Jahr wurde die Veranstaltung „Ruhr in Flammen“ vom Veranstalter abgesagt. Doch für Fans des Feuerwerks gibt es endlich gute Nachrichten – der Steeler Veranstaltungskreis hat die Organisation eines ähnlichen Events übernommen.

Unter neuem Namen, jetzt „Feuer und Flammen an der Ruhr“, wird die Veranstaltung nun vom 20. bis 22. September an die Steeler Ruhrpromenade gebracht. Der Steeler Veranstaltungskreis hat die Organisation anlässlich des 1075-jährigen Bestehens des Stadtteils Steele übernommen, das unter dem Motto „Steele im Licht“ gefeiert wird. Das Feuerwerk findet am Samstag statt und wird durch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm ergänzt. So wird es eine Bühne mit Live-Acts, Flammeninstallationen, ein Weindorf sowie ein Kinderparadies für die Kleinen geben. Weitere Informationen zum Ablauf gibt es hier.

Der bisherige Veranstalter, die Ruhr-Veranstaltungs GmbH, hatte „Ruhr in Flammen“ zum dritten Mal in Folge aus finanziellen Gründen absagen müssen. Der Steeler Veranstaltungskreis darf sich in diesem Jahr aber über finanzielle Unterstützung von Seiten der Politik freuen, die sich damit als Befürworter des Events zeigt: Die Bezirksvertretung Steele/Kray hat einen Zuschuss in Aussicht gestellt und hofft, dass sich „Feuer und Flammen an der Ruhr“ als regelmäßige Veranstaltung etablieren wird.

Für alle Interessierten:
Die Linien 144, 166 und 177 fahren die Haltestelle Kurt-Schumacher-Brücke an, die sich an der Ruhrpromenade befindet.

Projektpartner: Aquatische Ökologie – Auf der Jagd nach aquatischen Parasiten

Foto: Sichere Ruhr
Foto: Teresa Schürenberg
Foto: Sichere Ruhr

Spaziert man an einem Sonntag entlang der Ruhr, so trifft man gelegentlich auf einen oder mehrere junge Menschen, die in Anglerhosen im Wasser stehen und nicht etwa angeln. Nein, sie sammeln hunderte Schnecken. Merkwürdige Hobby-Sammler?
Nein.Das ist das Team um Professor Doktor Bernd Sures, den Leiter des Institutes für Aquatische Ökologie an der Universität Duisburg-Essen.

Christian Selbach, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kopf der Schneckenuntersuchung im Projekt Sichere Ruhr, begleitet dabei die Schnecken während des kompletten Untersuchungszeitraumes. Er sammelt sie, bringt sie anschließend ins Labor, gibt ihnen ein neues Zuhause in durchsichtigen Plastikbechern, versorgt sie mit Wasser und Salat und beobachtet sie danach über mehrere Tage. Hierbei schaut er, ob sie Zerkarien, eine Larvenform im Lebenszyklus bestimmter Parasiten, in das Wasser absondern. Unter diesen abgesonderte Zerkarien können auch die für das Projekt besonders interessanten Trichobilharzia Arten sein, die Erreger für die äußerst lästige aber harmlose Badedermatitis. Sondern die Schnecken Zerkarien ab, untersucht der Ökologe sie unter dem Mikroskop auf die Stadien aller vorhandenen Parasiten hin, wobei Trichobilharzia Arten tatsächlich nur in wenigen Schnecken enthalten sind – den Großteil der vorhandenen Parasiten macht eine Vielzahl anderer Arten aus, die als Erreger für den Menschen jedoch keinerlei Rolle spielen.

Doch wie und mit welcher Motivation kam das Institut überhaupt zu dem Projekt?
Bei der Überlegung darüber, welche Komponenten und Krankheitserreger für eine gute Wasserqualität von Bedeutung sind, wurde auch bedacht, welche Parasiten im Wasser sein könnten. Als Spezialisten für aquatische Parasiten, also Parasiten, die in Wasserorganismen wie Krebsen, Schnecken und Fische leben, wurde das Institut für Aquatische Ökologie mit ins Boot geholt.

Mit der Motivation herauszufinden, wie die Ruhr und die darin heimischen Lebensgemeinschaften funktionieren, welche Arten es gibt und wie sie zu dem Ökosystem beitragen, nahm das Institut die Herausforderung gerne an. Doch das war nicht die einzige Motivation von Bernd Sures, am Projekt teilzunehmen.

Ruft das Wissen über das Vorhandensein von Parasiten in natürlichen Gewässern bei den meisten Menschen noch Unbehagen aus, möchte der Ökologe auch darüber aufklären, dass Parasiten in jedem funktionierenden Ökosystem in großer Vielfalt und Anzahl auftreten und diese per se weder schlimm noch bösartig sind. Sie sind Teil eines jeden Ökosystems und funktionieren dabei in unterschiedlichster Art und Weise. Die Untersuchung von Trichobilharzia im Zusammenhang mit Schnecken ist demnach auch nur die Untersuchung einer Lebensgemeinschaft von vielen, die in der Ruhr vorkommen – aber diese ist aufgrund der Folgen für den Menschen besonders wichtig für das Projekt Sichere Ruhr.

Christian Selbach sieht die größte Herausforderung nicht in der Untersuchung an sich, sondern im Sammeln der Schnecken – denn die kleinen Weichtiere sind nicht immer leicht zu finden. Sind sie dann im Labor, stellt die Vielzahl der vorhandenen Erreger und deren Identifikation eine weitere Herausforderung dar. Hierbei filtert der Ökologe die für den Menschen relevanten Erreger heraus, überträgt die Daten auf die Risiko-Analyse und tauscht die Ergebnisse mit anderen Projektpartnern aus.

Es lässt sich bereits jetzt festhalten, dass es die Erreger für Badedermatitis in der Ruhr gibt – das ist jedoch kein Grund zur Panik. Sie sind Bestandteile fast aller stehender und langsam fließender Gewässer, in denen Schnecken und Wasservögel leben. Jedoch probieren die Wissenschaftler im Bezug auf die Ruhr weitergehend herauszufinden, welche Faktoren das Vorkommen der Erreger noch begünstigen und welchen Einfluss auch der Mensch auf das Vorkommen hat, wie zum Beispiel durch das Füttern von Enten. Hierdurch wird die Vogelpopulation von Wasservögeln enorm gesteigert und damit den Parasiten ein größerer Nährboden gegeben, so Sures.

Generell empfinden Selbach und Sures die Aufklärung der Bürger über die Artenvielfalt in der Ruhr, einen guten Umgang mit dem Fluss und auch über mögliche Risiken als besonders wichtig für die abschließende Empfehlung, die an die Stadt Essen gegeben wird. Die Anlieger und Nutzer der Ruhr sollen ein Gespür dafür bekommen, wie sie ihren Fluss schonen und sorgsam mit ihm umgehen können – unabhängig davon, ob sie dann darin baden dürfen oder nicht.

Als Wahl-Essener ist die Ruhr für Christian Selbach nicht nur als Studiengebiet direkt vor der Haustür interessant, er würde die Ruhr als Badegewässer auch gerne nutzen – und das nicht nur mit Gummistiefeln und Anglerhose.

Ob die beiden Ökologen zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch reinspringen würden? Klar, und das ganz ohne Angst, aber mit Verstand.

Ist Leitungswasser Trinkwasser?

Foto: kennymatic
Foto: kennymatic
Foto: kennymatic

Es gibt Quellwasser, Leitungswasser, Grundwasser, Mineralwasser, Tafelwasser,…
Bei allem handelt es sich natürlich um H2O in flüssiger Form. Manches kommt aus dem Hahn, anderes können wir in Flaschen kaufen. Mit dem bloßen Auge ist kein Unterschied zu entdecken, doch ist Wasser wirklich gleich Wasser?

Das Trinkwasser in Deutschland wird zum Großteil aus Grund- und Quellwasser gewonnen, die restlichen 30 Prozent werden aus Talsperren und Flüssen entnommen. Dieses Verhältnis ist jedoch regional unterschiedlich. In Essen beispielsweise stammt der Großteil des Trinkwassers seit über einem Jahrhundert aus dem Uferfiltrat der Ruhr.

Regional verschieden ist auch die Beschaffenheit des Wassers, die sich beispielsweise am Härtegrad zeigt. Dabei handelt es sich um den Kalzium- und Magnesiumgehalt des Wassers. Dieser ist in Essen gering, das Wasser ist also „weich“.

Trinkwasser ist definiert als Wasser, das zum Trinken, Kochen, Zubereiten von Speisen und Getränken sowie zur Körperreinigung verwendet werden kann. Es muss so beschaffen sein, dass der Gebrauch und Genuss keine Schäden für die Gesundheit des Menschen mit sich bringt. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine schädlichen Stoffe im Wasser enthalten sind. Es heißt lediglich, dass in einer Verordnung Grenzwerte für Schadstoffe festgelegt wurden, die nicht überschritten werden dürfen. Eine geringe, von Experten als unschädlich eingeschätzte Konzentration von Eisen, Blei und Pflanzenschutzmitteln im Trinkwasser ist also dennoch möglich. Die Einhaltung der Werte wird jedoch streng kontrolliert

Im Gegensatz zum Leitungswasser stammt das Mineralwasser aus unterirdischen Quellen und wird direkt am Quellort abgefüllt. Es unterliegt der Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTV), die unter anderem zu erfüllende Eigenschaften, Etikettierung und Verpackung regelt. Bei Heilwasser handelt es sich um spezielles Mineralwasser, das eine erhöhte Menge an Mineralstoffen beinhaltet. Nicht zu verwechseln sind diese natürlichen Wasser mit Tafelwasser, das ein künstlich hergestelltes Produkt ist. Es wird in der Regel aus Trinkwasser gewonnen, dem weitere Stoffe wie Kohlensäure oder Mineralstoffe zugesetzt werden.

Das wirft die Frage auf: Kisten schleppen oder Hahnwasser trinken? Auch wenn die Einhaltung der Grenzwerte streng von den Wasserwerken überprüft wird, können auch auf anderem Wege schädliche Stoffe ins Trinkwasser gelangen. Defekte Wasserleitungen, poröse Dichtungen oder andere Mängel können eine Belastung des Wassers durch Keime oder Schwermetalle verursachen. Dies entzieht sich dem Verantwortungsbereich der Wasserversorger. Wer also beruhigt dauerhaft seinen Durst mit Leitungswasser löschen möchte, sollte eine Analyse der heimischen Wasserleitungen vornehmen lassen und bei den regionalen Wasserwerken Informationen über die örtliche Wasserqualität einholen. Auch Wasserfilter können eine gute Alternative zum Wasser in Kisten sein. Infos rund um Wasserfilter gibt es in diesem Blog.