Baden in der Ruhr – Eine willkommene Ergänzung des Freibadangebotes?

Foto: Solveig Lawitzke
Foto: Solveig Lawitzke

Die Sonne prallt von Himmel. Dreißig Grad im Schatten. Eine Erfrischung wäre toll. Ein Eis, ein kaltes Getränk und bestenfalls ein Sprung ins kühle Nass. Nur wo?

Wer an heißen Tagen Erfrischung und Vergnügen sucht findet in der Metropole Ruhr ein ganzjähriges, flächendeckendes Badeangebot. Ob Freibad, Hallenbad oder Wellnesstempel – die Spaß- und Erholungssuchenden werden schnell fündig.

Doch was ist mit denjenigen, die das Naturerlebnis als besonders wichtig empfinden?

Die Grundbedürfnisse der Bevölkerung nach Erholung (81 Prozent, RVR-Regionalumfrage Emscher Landschaftspark 2009), Natur (79 Prozent) und Landschaftserlebnis (68 Prozent) werden durch die vorhandenen Bäder nur teilweise abgedeckt. Allerdings lässt sich ein weitreichenderes naturnahes Bäderangebot durch die klimatischen Besonderheiten, wie kalte verregnete Sommer, kaum halten.

Die Freizeitgestaltung in der freien Natur, bestenfalls in direkter Wassernähe empfinden die Ruhrpöttler jedoch immer wichtiger für ihr Wohlbefinden, wie eine Umfrage des Regionalverbandes Ruhr ergab. Sie vermissen dabei die Möglichkeit eines Bades in Naturgewässern und das damit verbundene Gefühl der Freiheit – eine Freiheit, die, laut Bürgerstimmen beim Sichere Ruhr-Szenarienworkshop, durch das Badeverbot in der Ruhr beschränkt wurde. Dies betrifft besonders die Einwohner der Ballungszentren im südlichen Ruhrgebiet – nicht nur, weil sie den Fluss ständig vor Augen haben, sondern auch weil es hier keine Badeseen als erfrischende Alternative gibt. „Das Thema Baden in der Ruhr erfüllt eine tiefe Sehnsucht der Bevölkerung in der Metropole Ruhr nach Freiheit, Abenteuer und Naturerlebnis, die vielfach in den Erinnerungen an die eigene Kindheit wurzelt“, so Paul Lawitzke, Teamleiter des Freizeitmarketings beim Regionalverband Ruhr.

Dass das Freibadangebot diese Sehnsucht nicht auffangen kann, zeigt sich in den rückläufigen Zahlen der Freibadbesucher. Durchwachsene Sommer sowie eine teilweise mangelnde Zahlungsbereitschaft lassen die Besucher fern bleiben. Die Folge: Defizite im Bäderhaushalt und damit die Schließungen vieler Freibäder. Doch das auch nicht ohne Folgen: An heißen Tagen platzen die verbliebenen Freibäder aus allen Nähten. Diese Engpässe gilt es auszugleichen. „Naturnahe Badeangebote sind eine wichtige Ergänzung der Bäderlandschaft in der Metropole Ruhr“, so Lawitzke. Sie sprächen eine neue Zielgruppe an und würden darüber hinaus das Überlaufen der vorhandenen Angebote an heißen Sommertagen verhindern, prognostiziert der Experte.

Bei der Ausgestaltung der naturnahen Angebote ist vielerlei denkbar. Offene Angebote und Badestellen mit einer Minimalinfrastruktur sind ebenso vorstellbar wie Fluss- und Freibadeangebote mit ergänzenden Attraktionen für Spiel, Sport, Wellness und Gastronomie. Jedoch sollten diese nicht örtlich an einen Standort wie beispielsweise dem Baldeneysee zentriert sein, gibt Lawitzke zu Bedenken. Die Besucherströme würden hier erneut die Kapazitäten der Bademöglichkeit sprengen.

Ob das mit dem Baden in der Ruhr tatsächlich klappen kann, werden die Ergebnisse des Projektes Sichere Ruhr zeigen. Für den heißen Moment also: Badehose einpacken und ab ins Freibad – denn eine Schließung weiterer Bäder, das kann ja nun wirklich niemand wollen.

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